Geschichte der Denser Kirche


Die Ausgrabungen in der Kirche von Dens

Im Jahre 1978.

Auszug aus: Beiträge zur Archäologie mittelalterlicher Kirchen in Hessen – Band 1 – herausgegeben von Klaus Sippel – Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen, Band 9, Wiesbaden 1989 

 

Die Innenrenovierung der evangelischen Dorfkirche von Dens und die Erneuerung ihres Fußbodenbelages ermöglichten im Juli 1978 eine archäologische Untersuchung des Gebäudeuntergrundes durch das LfD Marburg. Dabei gelang es, einen Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses in den für seine Rekonstruktion notwendigen Punkten nachzuweisen. Das überlieferte Patrozinium St. Martin der heute unscheinbaren Kirche des kleinen Ortes und ihre frühere Mutterkirchenfunktion sichern dem ergrabenen Vorgängerbau die Beachtung sowohl der archäologischen als auch der historischen Landesforschung.

Lage und Baubeschreibung

Der heute rund 200 Einwohner zählende Ort Dens (Höhe ü. NN: etwa 320 m) liegt zwischen den osthessischen Kreisstädten Bad Hersfeld und Eschwege im Sontraer Hügelland, einer offenen Zechsteinlandschaft zwischen den bewaldeten Buntsandsteinhöhen des Stölzinger Gebirges im Westen und des Solztrottenwaldes im Osten, Das Dorf liegt am Oberlauf des Maßholderbaches, der über die Hasel, Sontra und Wehre in die Werra fließt und ist über die engeren Grenzen hinaus bekannt durch den auf einen Erdfall zurückgehenden „Denser See“, der durch einen stark schwankenden Wasserstand und gelegentliche Rotfärbung des Wassers auffällt.  

Die Kirche ist ein massiv gemauerter rechteckiger Saalbau (L. außen: 17,50 m, innen 16,00 m; Br. außen 7,00 m, innen, 5,50 m. Im Westen erhebt sich über dem Haupteingang, dessen Gewände die Jahreszahl 1786 trägt, ein annähernd quadratischer, verschieferter Dachturm mit gebrochener Haube. Das Obergeschoss der Kirchensüdwand, in der sich ein Seiteneingang befindet, besteht zu zwei Dritteln aus minderstarkem, bis 1981 verputztem Fachwerk, das in die Zeit zwischen 1640 und 1700 datiert wird; im Bereich unter dem Turm ist das massive Mauerwerk des Untergeschosses hingegen bis an den Dachstuhl hochgezogen. Die Nordwand, die lediglich ganz im Osten ein einzelnes Fenster aufweist, knickt im östlichen Drittel ganz leicht nach Süden. Sie lässt trotz des Verputzes unterschiedliches Mauerwerk erkennen, das durch zwei senkrecht verlaufende, unscharfe Baunähte voneinander getrennt wird und schon vor Beginn der Ausgrabungen auf verschiedene Baustadien der Kirche schließen ließ.

Im Innern tritt die außen in der Nordwand festzustellende westliche Baunaht als Mauervorsprung in Erscheinung. An der gegenüberliegenden Südwand ist innen eine weitere Nahtstelle zu sehen, die im Bereich des außen deutlich sichtbaren Überganges zwischen dem Massivmauerwerk und dem Fachwerk des Obergeschosses verläuft. Entlang der Nordwand befindet sich im Innern eine Empore und im Westen eine Orgelempore, die von zwei bis in den Dachstuhl reichenden Holzsäulen getragen wird. Der Altar stand bis 1978 etwa 4 m westlich der Ostwand und damit auffallend weit im Kircheninneren. Saal und Altarbereich lagen und liegen auf gleicher Höhe.

Untersuchungsergebnisse

Es wurde ein kleiner Vorgängerbau mit einem langen und schmalen, sich nach Osten hin verjüngenden Rechteckchor nachgewiesen, dessen fast stets in der Substanz erhaltene Fundamentmauern bis auf die Saalnordwand im Innern der heutigen Kirche angetroffen wurden und die Rekonstruktion des gesamten Grundrisses erlauben. Danach besaß das Gebäude folgende Maße: Gesamt-L. außen 11,60 m, innen 9,85 m; Chor-L. innen 3,40 m; Saal-L. innen 6,45 m; Chro-Br. Innen 2,20 m (im Osten) bis 2,60 m (im Westen); Saal-Br. Außen 5,30 m, innen 3,60 m. der im Innern zumindest im Fundamentbereich deutlich trapezförmige Chor scheint außen annähernd rechteckig gewesen zu sein. Die Verbindungsstelle zwischen Chor und Saal konnte nur im Süden untersucht werden, wo der nicht ganz eindeutige Befund darauf schließen lässt, dass die Längswand des Saales den Chor ein Stück überlappt hat.

Der Neubau der heutigen Kirche wurde so eingerichtet, dass der Verlauf der heutigen Nordwand im mittleren Bereich dem der Saalnordwand des älteren Gotteshauses entspricht. Das Mittelstück der Außenmauer scheint noch ein Teil der alten Kirche zu sein, das nicht abgerissen sondern in den neuen Teil integriert wurde. Dieser Deutung entspricht, dass die Nordwand der heutigen Kirche nur im Osten, wo sie von Grund auf errichtet wurde, ein innen vorspringendes Fundament besitzt.

Zusammenfassung

Bei der nur wenige Tage dauernden archäologischen Notuntersuchung in der Dorfkirche von Dens  wurde ein kleinerer, steingemauerter Vorgängerbau mit Rechteckchor nachgewiesen, dessen Saalnordwand noch in der heutigen Kirchennordwand enthalten ist. Damit konnten Fragen zur Geschichte des Gotteshauses beantwortet werden, die sich bereits früher aufgrund von Beobachtungen am aufgehenden Mauerwerk gestellt hatten. Der Bau der ersten Kirche kann archäologisch nicht datiert werden, doch dürften das Martinspatrozinium, der altertümliche Grundriss der Kirche und ihre außerordentlich geringen Ausmaße Indizien für eine Datierung vor die Jahrtausendwende sein. Auch der Ortsname, der einer alten Namensgebungsschicht angehört, deutet auf ein hohes Alter der Siedlung hin, die vielleicht frühzeitig ein Gotteshaus erhalten hat.

Literatur:

Böhme, Dens (1926)

Herrmann Böhme, Der rote See bei Dens (Kreis Rotenburg)

Herrmann Böhme, das Rätsel roter Seen im Hessenland. Das Werratal

Georg Dehio, Hessen

Fachwerkkirchen in Hessen, hrsg vom Förderverein Alte Kirchen e. V., 1983

Rolf Gensen, Althessens Frühzeit (1979)

Klink, Einheiten (1969)

Johannes Schaake, Der Denser See. Mein Heimatland (1910)

Karl Schellhase, Der rote See bei Dens und die Geschichte des Dorfes Dens

Klaus Sippel, Archäologische Untersuchungen in Kirchen des ehemaligen Kreises Rotenburg