Schwimmveranstaltungen am Denser See

Aus: "Unsere Heimat einst und jetzt (753)

In der Gemarkung Dens gab es bis 1929, wie die damals von der Schule geführte Chronik nachweist, keinen Schuljungen, der aufgrund eines planmäßigen Schwimmunterrichts schwimmen konnte, obwohl die Ortsjugend sozusagen am See aufwuchs. Es fehlte die Anleitung.

Und dennoch konnten auch damals schon einige Ortsbewohner sich über Wasser halten, wie uns in einem Gespräch der über 90 Jahre alte und noch sehr rüstige Johannes Franz erzählt. Vor rund 60 Jahren gab es noch sehr viele Arbeitspferde in Dens – allein auf einem der Güter acht Exemplare -, und sie kamen auch mal ins Wasser. „Wir mussten einfach schwimmen lernen", sagte uns Johannes Franz, „irgendwie haben wir es auch geschafft".

Auch die vielen Schafe kamen früher mal ins Wasser, dabei konnten natürlich auch nur Schwimmer helfen. Auch erinnerte der Hochbetagte an den Flachs, der im Rahmen bestimmter Arbeitsvorgänge auch mal ins Wasser musste. Die Balken, bzw. Lattenroste, auf die der Flachs kam und mit Gewichten beschwert werden musste, sollen in Teilen noch vor einer Reihe von Jahren zu sehen gewesen sein.

Mitte der 20er Jahre wuchs dann aber doch verbreitet der Wunsch zum Schwimmsport, da die örtlichen Schullehrer für eine Überwindung der Vorurteile gegen das Schwimmen und speziell gegen den Denser See gute Aufklärungsarbeit geleistet hatten. So wurde auch die Bevölkerung allgemein aufgeschlossener. Im Laufe des Jahres 1926 gelang es, durch fleißige Trockenschwimmübungen und gezielten Schwimmunterricht fünf Knaben das Schwimmen zu lehren und die übrigen von der Wasserscheu zu befreien.

1927 ging es erfolgreich weiter. Lehrer Höhre, der Motor für das Schwimmenlernen, mahnte aber auch zur Vorsicht, da der See bei vollem Wasser 17 m tief und von einigen kalten Strömungen durchzogen sein soll. So baute der Schulmeister 1928 mit einigen Denser Männern aus sechs leeren Teerfässern und einigen Stangen, die alle gestiftet waren, eine Absperrung, innerhalb derer sich die Nichtschwimmer tummeln konnten. Schulkinder haben noch unter der Leitung ihres Lehrers Bänke gebaut und Stufen in die steilen Abhänge gegraben. Junge Leute richteten außerdem mit Hacke und Schippe ein Planschbecken für die kleineren Kinder her.

Mit den Arbeiten hatte man beginnen können, als Dr. Schröder aus Nentershausen, ein eifriger Förderer des Schwimmens – im ganzen Richelsdorfer Gebirge stand praktisch nur der Denser See als Schwimmgelegenheit zur Verfügung -, der Schule in Dens 120 Mark zur Verfügung stellte. Im Zuge der ersten Arbeiten zur Absicherung entstand auch ein Sprungbrett, das allein 23,85 Mark kostete, der Wochenlohn eines Arbeiters.

Da das Wirken am See und das intensive Schwimmenlernen starke Beachtung in der Öffentlichkeit fand, veranstaltete die Schule am Ende der Badezeit 1928 ein Schwimmfest, an dem auch Erwachsene aus Nentershausen und Sontra teilnahmen. Sie schwammen mehrere Stafetten, die ebenso starke Beachtung fanden wie das Kürspringen. Auch die Schulkinder zeigten, was sie in diesem Jahr gelernt hatten. Abends verteilte man Lampions, und so beendete ein Fackel- und Lampionszug das schöne Seefest, das damit geboren war.

Angesichts des erfolgreichen Jahres 1928 verstärkten die aktiven Kräfte die Bemühungen, ein Badehäuschen zu errichten, um den Betrieb am Denser See noch zu verstärken und auch das Aus- und Ankleiden zu verbessern, das sich bis dahin meist hinter Büschen und Sträuchern vollzog. Da aber zur Schaffung eines Badehäuschens Schule und Turnverein hinsichtlich der Finanzkraft überfordert gewesen wären, bildete man für Dens und Umgebung eine Arbeitsgemeinschaft, der u. a. der Werratalverein, Abteilung Richelsdorfer Gebirge, die örtlichen Schulen von Dens und Nentershausen, der Turnverein Germania Nentershausen, der Turnverein Jahn Dens und die Jugendpflegegruppen (Pfarrer Gerlach) der Gemeinden Dens, Mönchhosbach und Nentershausen beitraten.

Einen schönen Baustein gab die Abteilung für Kirchen und Schulen in Kassel mit einer Beihilfe von 200 Mark. Den Bau des Umkleidehäuschens, dessen Kosten sich auf 758 Mark beliefen, genehmigte die Gemeinde Dens mit dem Vorbehalt, dass das Häuschen zur allgemeinen freien Benutzung gebaut und es bei Auflösung des Turnvereins in Gemeindeeigentum übergehen müsse.

Schrittweise wurden Ende der 20er Jahre am Denser See die Einrichtungen vervollständigt. Dazu gehörte auch der Sprungturm. Von ihm konnten Zwei- bis Sechsmetersprünge absolviert werden. Wie berichtet, habe es auch ganz Verwegene gegeben, die vom Dach des Turmes aus – nahezu 10 m – ins  Wasser gesprungen sind.


Aus: "Unsere Heimat einst und jetzt (757)

Denser See füllt sich wieder

Nach dem Stillstand beim Kupferschiefer-Bergbau im Jahr 1955 – infolge Wasserein-

bruch im Reichenbergschacht bei Dens – rückten Ende Mai 1957 Spezialisten einer Kasseler Schrottfirma dem 50 Meter hohen Förderturm zu Leibe. Mit Schneidbrennern durchschnitten die Kasselaner die Stützen des 110 Tonnen schweren Förderturmes, Flaschenzug und Seilwinde traten in Aktion.

Der widerstandsfähige Turm, der nur schwer fallen wollte, neigte sich langsam zur Seite und brach dann unter ohrenbetäubendem Krachen zusammen, währenddessen Hunderte von Nieten unter dem übermäßigen Druck weißglühend wurden, zerbarsten und so ein Feuerwerk des Todessturz des Turmes, einst der Stolz von „Kupferschiefer“, begleitete. Wie ein verbogenes Skelett blieb der Recke noch einige Zeit auf dem Plateau des Reichberges liegen. -–Mit dem Fallen dieses Turmes stand für alle im Richelsdorfer Gebirge fest: der Bergbau hier ist tot.

Im benachbarten Dens konstatierte man in jener Zeit ein langsames Steigen des Sees. Obwohl dieser Vorgang mit dem Bergbau-Ende im Zusammenhang stand, ist er weder untersucht noch sonstwie nachgewiesen. Doch in Dens und vielen anderen Orten schöpfte man wieder Hoffnung, an den Wassersport und an die Seefeste der Vorkriegsjahre anknüpfen zu können, zumal in den 50er Jahren immer mehr Wasserratten angesichts der zunehmenden Verschmutzung der Flüsse nach einem geeigneten Gewässer Ausschau hielten. In Dens stieg die Hoffnung stark an, ja, sogar ein Umkleidehäuschen im Modell zauberte man sozusagen „aus dem Hut“, und es fand auch Anklang.

Doch jetzt kam eine neue Entwicklung: Freibäder. Zwar hatte die 18 km entfernte Stadt Rotenburg den Bau eines Freischwimmbades im Heienbachtal in Gang gesetzt, doch schien das Einzugsgebiet für den Denser See noch von Sontra bis Nentershausen uneingeschränkt zu reichen. Aber das galt nur für kurze Zeit. Rotenburg nahm das neue Schwimmbad 1962 in Betrieb, Sontra folgte mit der Einweihung eines neuen Bades im Juni 1964 und Nentershausen schloss sich im Mai 1966 an. Damit hatte ein Badehäuschen mit geordnetem und überwachten Badebetrieb am Denser See keine Basis mehr. Eine gewisse Stagnation setzte ein.

Dabei hatte es bereits 1963 einen guten Impuls gegeben. Damals, und zwar im Nachsommer 1963, war mit der Wiedergründung des TuS Dens ein langgehegter Wunsch der Denser Dorfjugend in Erfüllung gegangen. In der Gastwirtschaft Koch hatten sich rund 20 Jugendliche und ältere Bürger des Ortes einmütig für die Wiederbelebung des alten Vereins entschieden und beschlossen, das sportliche Leben auch in Dens wieder zu wecken und in alter Form zu fördern. Die Vorstandswahl ergab: 1. Vorsitzender Lehrer Vogel, 2.. Vorsitzender Willi Wilhardt und Schriftführerin Anneliese Nölke. Bürgermeister Nölke, der den Verein lange Jahre geleitet hatte, sicherte der Jugend die Unterstützung der Gemeinde zu.

Für den Bereich des Sees aber blieb die Wiedergründung des Turnvereins zunächst ohne sichtbare Wirkung. Das Modell des Umkleidehäuschens verschwand endgültig in der Versenkung, der See hielt zwar – mit wechselnden Höhen – im wesentlichen sein Niveau, doch um hier gestalten, auszulichten und neu zu bepflanzen, bedurfte es einiger Geldmittel, und die waren in Dens einfach nicht greifbar.

Dann spürte man das „Wetterleuchten“ der Gemeindegebietsreform, und als auch Dens mit anderen betroffenen Gemeinden vom Zentralort Nentershausen „geheiratet“ wurde, hatten die Denser Akteure hinsichtlich von Finanzierungsanträgen usw. eine neue Blickrichtung. Und in der Tat, am Fuße der Burg Tannenberg half man mit, intervenierte beim Kreis – und mit Erfolg.


Aus: "Unsere Heimat einst und jetzt (758)

Am Juli 1975 zogen die verantwortlichen Männer von Nentershausen und Dens eine erste Erfolgsbilanz nach der Gemeinde – Hochzeit: „Im vereinten Bemühen der Gemeinmdeverwaltung Nentershausen und der Bevölkerung des Ortsteiles Dens konnte der Rahmenbereich des Flächen-Naturdenkmals „Denser See“ gründlich erneuert werden.

Dieses Gebiet, das zwischen den beiden Weltkriegen ein Anziehungspunkt für Wanderer und Sportler aus nah und fern war, nach dem Zweiten Weltkrieg aber von einer wild wuchernden Natur umschlungen wurde und danach verwahrloste, ist wieder zu einem Schmuckstück des Ortsteils Dens geworden.

 Nachdem 1972 mit Hilfe von 1100 DM vom Land und 1100 DM von der Gemeinde erste Aufräumungsarbeiten abgewickelt wurden, mussten größere Aktivitäten folgen, sollte der erste kleinere Schritt nicht nutzlos verpuffen. Nachdem dann 1974 vom Land 5500 DM erwirkt werden konnten und die Gemeinde die gleiche Summe zuschoss, konnte planmäßig das Neugestaltungsprogramm in Angriff genommen werden. Dabei arbeitete der Gemeindevorstand von Nentershausen mit Bürgermeister Wilhelm Degenhardt an der Spitze eng mit dem Ortsvorsteher von Dens, Karl Ratz, dem Kreisbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, Kreisteil Rotenburg, Heinz Euler (Rotenburg) und Oberförster Streif (Cornberg) von der Forstverwaltung Nentershausen zusammen.

Zunächst galt es, den Dschungel zu lichten sowie Neuanpflanzungen und weitere Maßnahmen dahingehend vorzunehmen, den alten, ansprechenden Zustand wieder herzustellen und so die beabsichtigte Rekultivierung zu verwirklichen.

Dass die Einwohner von Dens an „ihrem See“ hängen, das stellte Ortsvorsteher Ratz fest, als er zur Mithilfe bei der Rahmengestaltung aufrief. Viele kamen, gestalteten, werkten, pflegten und betreuten. Im Juli 1975 zeigte sich folgendes Bild: Inmitten des geologisch sehr interessanten, trichterförmigen Landschaftsbereiches der See ohne grüne Flächen, zwar auch nicht bis zum Grund glasklar, doch ohne Unrat. Um den See herum ein Wanderweg. Weitere Wege an den Hängen, die interessante Felspartieen abschließen.

Neben Ruhebänken an besonders schönen Stellen errichteten Ortsbewohner in Eigenleistung eine Schutzhütte an halber Hanghöhe, eine willkommene Unterstellmöglichkeit auch für wandernde Kurgäste aus Nentershausen, falls das Wetter plötzlich umschlagen sollte. Im südlichen Bereich gelang den Bewohnern mit der Ausnutzung der „Erbskorn-Quelle“ eine weitere schöne Gestaltung: Ein Brunnen, dessen Wasser aus dem Ast eines Stammes sprudelt, wird flankiert von massiven Eichenbänken.

An der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Kinderspielplatz, der noch mit weiteren Geräten ausgestaltet werden sollt.

 Bürgermeister Degenhardt und Ortsvorsteher Ratz dankten bei der Ortsbesichtigung allen, die direkt und indirekt mitgeholfen haben. Sie verbanden damit auch zugleich die Bitte, bei der weiteren Betreuung und Pflege zur Erhaltung der schönen Anlage wieder von der Bevölkerung unterstützt zu werden, die in den vergangenen Monaten vielfache Beispiele für ihre gemeinschaftsbezogene Einstellung gegeben habe.

 Bereits 1973 war festgelegt worden, den Denser See und seinen Rahmenberich voll in den Wanderzielkatalog des Heimat- und Verkehrsvereins Nentershausen aufzunehmen. Im Februar 1974 berichtete Bürgermeister Degenhardt, dass ein Wanderweg von Nentershausen nach Dens vorgesehen sei, um den Nentershäuser Kurgästen das Ausflugsziel Denser See noch besser zu erschließen.

 Als in jener Zeit der Denser See wieder in einem prächtigen Gewand erschien, wuchsen verstärkt die Betrebungen, das alte See- und Lichterfest wieder aufleben zu lassen. Da die Schule als Mitträger früherer Veranstaltungen nicht mehr zur Verfügung stand – auch die Denser Schule war den Konzentrierungsideologen zum Opfer gefallen – wirkten der Turnverein Dens und die Freiwillige Feuerwehr bei den Vorbereitungen zusammen, auch der Heimat- und Verkehrverein Nentershausen stand nicht abseits.