Die Sage vom Denser See

Aus "Rund um den Alheimer, Heft 2"

Einst war vor vielen Jahren in Dens Kirchweih. Die Kirmesgäste kamen von nah und fern, um mit frohen Freunden einige Tage fröhlich zu feiern. Man hörte Geigen, fröhlichen Gesang und Becherklang.

Solch frohes Leben klang bis in die Tiefen des Sees. Drei lichte, in Schneegewänder gekleidete Seemägdelein gelüstete es, an dem frohen Treiben so froher Menschen teilzunehmen. Bei hellem Mondenschein stiegen sie aus den Fluten und betraten festen Boden. Geschmückt mit köstlichem Geschmeide und duftigen Rosenbändern gingen sie den Felsenpfad hinauf und nahten sich mit leichten Schritten dem Festplatz unter der Linde. Die Schönen des Ortes standen festlich geschmückt am Saume des Tanzplatzes und warteten, bis ein flotter Tänzer sie zu wirbelndem Walzer abholte. Zu ihnen gesellten sich die drei lichten Jungfern und lauschten still den Tönen, die ihnen so ganz neu waren. Bald wurden sie entdeckt, ihre Schönheit entging den Burschen nicht.

Rasch kam einer nach dem anderen vorbei und bat um ein Tänzchen, das gern gewährt wurde. Als aber die Uhr des nahen Kirchleins zum Mitternachtsschlage aushub, entflohen sie still und heimlich dem Jubel und dem Tanz. Gern wären sie noch geblieben, aber sie mussten.

Des anderen Abends waren sie wieder da. So mancher junge Bursche hatte schon sehnsüchtig nach ihnen ausgeschaut. Nun tanzten sie wieder und sollten diesmal nicht heimlich von dannen schleichen. In mitternächtiger Stunde eilten sie wieder zum Strande und waren zum Sprung in die Tiefe bereit. Da hörte man einen dumpfen Schrei, der einen fehlte ein Handschuh, er wurde ihr von einem Tänzer entwunden. Ohne ihn durfte sie jedoch nicht ins Wasserloch zurückkehren. Sie eilte zurück und suchte und suchte. O unseliges Walten, sie fand ihn nicht.

Bis zum Morgen blieb sie zurück in der Hoffnung, den Handschuh noch zu finden. Aufgelöst in Schmerz, mit wild verworrenem Haar, mit wehem Herzen verließ sie endlich die muntere Schar, eilte zum See und sprang in die Tiefe. Dort unten hörte man ein dumpfes Sausen und einen Jammerlaut, darauf ein wildes Brausen. Man hatte keinen Zweifel, sie hatte ihr Leben lassen müssen. Die Wellen des Sees färbten sich blutigrot, ein Ruf ertönte noch aus dem Wasser, dann ruhte der See still wie vorher.

Niemals sind die Jungfrauen wieder herausgekommen, um an den Freuden und Genüssen der Menschen teilzunehmen. Aber heute noch, wenn auf Erden herrscht große Kriegsnot, dann sieht man wohl noch werden den See wie Blut so rot.