Aus: Festschrift zum Jubiläum 800 Dens

Die Schule

 Schule und Kirche sind zwei unzertrennliche Elemente eines Ortes, vor einigen Jahren auch organisatorisch verbunden. Die Ursprünge der Schule als Ort der Bildung reichen bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges zurück. Das genaue, urkundlich festgehaltene Datum ist 1634. Der Unterricht fand in den Anfängen im sogenannten „Alten Hirtenhaus“, teilweise in der Wohnung des Lehrers und dann später, als die Pfarrei Dens mit der Pfarrei Nentershausen zusammengelegt wurde, im Pfarrhaus statt, das neben der Kirche stand. Zu diesem Haus gehörte eine Scheune, die 1828 abbrannte, aber von der Gemeinde wieder aufgebaut wurde. Sie galt als Eigentum der Küsterei und der Schule. Der Lehrer benötigte die Landwirtschaft, da er von dem „Gehalt“, das er für seine Tätigkeit bekam, nicht leben konnte. Dieses Schulgebäude, das im oberen Teil eine Wohnung für den Lehrer enthielt, (1956 baute die Gemeinde dem Lehrer ein Lehrerhaus) hatte im unteren Teil einen großen Raum, in dem alle Jahrgänge von 1 – 8 unterrichtet wurden. Mehrmals renoviert wurde das Haus dann Anfang der 90er Jahre verkauft, nachdem der Schulbetrieb eingestellt worden war. Die Chronik verzeichnet ab 1660 bis 1969 insgesamt 30 Lehrer, die in Dens mehr oder weniger lang unterrichtet haben.

Dieser Aufenthaltszeitraum erstreckt sich von 14 Tagen bis 52 Jahren. Dieser lange Zeitraum kennzeichnet die Unterrichtstätigkeit eines Lehrers namens Johannes Lehmann, von 1660 – 1712. Leider sind aus der Zeit der Gründung 1632 – 1660 keine Aufzeichnungen über Lehrer vorhanden. Ursprünglich gab es keine speziell ausgebildeten Lehrer. Handwerker und Bauern übernahmen den Unterricht und wurden von der Gemeinde mit etwas Geld und Naturalien, die die Bauern aufbringen mussten, bezahlt.

Erst im 18. Jahrhundert erscheint ein Lehrer, Justus Wicke, der im Homberger Seminar ausgebildet wurde. Von dieser Zeit an gibt es nur noch Schulmeister, wie die Lehrer damals hießen, die an Seminaren ausgebildet wurden.

Einer der Schulmeister, der für Dens äußerst segensreich wirkte, auch neben dem Schuldienst, war Lehrer Höhre, von 1926 bis 1933 in Dens. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass die Denser „Ihren See“ so nutzten, wie es sich gehörte, nämlich  als Ort der Körperertüchtigung, hier ist das Schwimmen gemeint. Gleich nach der Stellenbesetzung 1926 ging er ans Werk, den Denser Schulkindern das Schwimmen beizubringen. Bis dahin gab es fast unüberwindliche Vorurteile bezüglich der Beschaffenheit des Wassers und des Schlammboden des Sees. „In disse ahle und ungesunde Dreckbrieh geh ich nit´ nin“, war rundum zu hören. Diese „Dreckbrieh“ war zwar kein klares Wasser und beherbergte Molche, Frösche und Pferdeegel, hatte aber einen heilkräftigen Schwefelgehalt. Sie war sehr gut zum Schwimmen geeignet. Mit Trockenübungen bereitete Lehrer Höhre die Schulkinder auf das Schwimmen vor und erreichte es auch, dass fast alle Denser Schulkinder schwimmen konnten.Die Mitglieder des Turnvereins „Jahn“ unterstützten Lehrer Höhre tatkräftig, z.B. beim Bau eines Nichtschwimmerbereiches.

Die Schulaufsicht, Inspektion genannt, wurde bis 1920 von der Kirche ausgeübt. Ab dieser Zeit gab es dann Schulräte, die sich von Zeit zu Zeit über den Wissenstand der Schüler informierten.

Besonders schwierige Verhältnisse gab es am Ende des 2. Weltkrieges. Der damalige Schulmeister, Lehrer Höller, der 1944 die Stelle in Dens antrat, musste in den Jahren 1945 und 1946 auch den Unterricht in Mönchhosbach wahrnehmen. Das bedeutete, dass montags, mittwochs und freitags in Dens und an den übrigen Tagen in Mönchhosbach Unterricht stattfand. Diese Regelung wurde deswegen so getroffen, da die Schüler wegen ihres schlechten Schuhwerkes, besonders im Winter, ihren Wohnort nicht verlassen konnten, um gemeinsam in Dens oder Mönchhosbach unterrichtet zu werden.

Die Schülerzahlen – Aufzeichnungen gibt es seit 1888 – schwankten zwischen 23 und 28 bis 1945, dann schnellten sie bis 1947 auf 55 in die Höhe und sanken ab 1952 wieder auf 21 bis 25 ab. Die letzte Zahl betrug zur Schließung der Schule 23 Kinder.

Das Ende der Denser Dorfschule wurde eingeläutet, als Ende der 60er Jahre die Landschulreform begann, die in den 70er Jahren vorerst in Hessen vollendet wurde. Ab 1966 – jetzt wurde in Hessen das 9. Schuljahr eingeführt – fuhren die Klasse 7 und 8 mit dem Schulbus nach Nentershausen. Das endgültige „Aus“ der Schule trat dann ein, als die Gemeindevertretung aufgrund einer Elternempfehlung und auf Druck des Schulamtes am 12.04. 1969 beschloss, die Schüler nach Nentershausen zu schicken. Es blieb keine andere Wahl. Diese Regelung wurde schon ab 20. 01. 1969 praktiziert. Nun fahren die Schüler des 1. bis 4. Schuljahres nach Nentershausen und die Schüler der Jahrgänge 5 bis 13 nach Sontra zur Gesamtschule. Mit der letzten Einschulung und dem Datum Januar 1969 ging ein Kapitel Denser Geschichte zu Ende.