Aus: Festschrift zum Jubiläum 800 Dens

Der Bergbau

In den 30er und 40er Jahren dieses Jahrhunderts wurde durch den Einsatz von 75 Mio RM der Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge, der lange Zeit geruht hatte, wieder in Gang gesetzt. Die Notwendigkeit, eigene Vorräte verwenden zu müssen, trieb die Reichsregierung dazu, aktiv zu werden. Kupfereinfuhren wurden durch die Kriegsgegner blockiert.

Besonders der Reichenbergschacht, 1934 geteuft, oberhalb von Dens gelegen, bot ergiebige Kupfererzlager. 1400 t wurden pro Schicht aus dem Berg geholt. Probleme gab es aber mit dem Wasser. Pumpen mussten ständig Wasser aus den Schächten und Stollen pumpen, um ein Arbeiten zu ermöglichen. Die geologische Situation des Richelsdorfer Gebirges erforderte den Einsatz gut funktionierender Pumpanlagen.

Das Teufen der Schächte veränderte die natürlichen Wasserverhältnisse. Bäche wurden trocken, Quellen versiegten und auch der Denser See wurde ein Schlammloch, vorübergehend. Als Ausgleich für die unterbrochene Wasserversorgung wurde das Gruppenwasserwerk in Breitau gebaut. Die dortige ergiebige Karstquelle schüttet genügend Wasser für eine große Anzahl von Gemeinden in der näheren Umgebung. Zur Verhüttung des Kupfererzes wurde auf dem Brodberg bei Sontra eine Hochofenanlage gebaut. Diese wurde aber 1947 auf die Demontageliste gesetzt und nach Jugoslawien abtransportiert. 1950 montierte man 2 neue Hochöfen. Diese verarbeiteten das Erz aus den Schächten Schnepfenbusch bei Bauhaus, Wolfsberg bei Iba und dem Reichenbergschacht bei Dens. Die längste Seilbahn Europas verband diese Schächte mit dem Brodberg.

Dann kam die Schicksalstunde des Reichenbergschachtes. Es war der 26. Nov. 1950. 68 Kumpel waren in den Schacht eingefahren und strebten ihren Arbeitsplätzen zu. Plötzlich hörten sie ein fremdartiges Geräusch. Einem Poltern folgte ein Rauschen. Wassereinbruch! Aus der 2. Sohle Nord strömte das Wasser mit solcher Wucht, dass Förderwagen fortgeschwemmt wurden und die tiefsten Stellen der 385 Meter Sohle in kürzester Zeit absoffen. Die meisten der 68 Kumpel konnten sich sofort retten. Vier aber, Franz Brandl, Heinrich Meier, Bernd Milotta aus Nentershausen und Karl Stralek aus Cornberg waren gefährdet. Diese vier wurden durch Franz Brandl unter Einsatz seines Lebens gerettet. Für diese Tat verlieh ihm der damalige Bundespräsident, Professor Theodor Heuss, das erste Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Die Hiobsbotschaft über den abgesoffenen Schacht eilte schnell durchs Richelsdorfer Gebirge. Die Bevölkerung war schockiert, verlor doch eine große Anzahl Menschen ihren Broterwerb. Die weniger ergiebigen Schachtanlagen Wolfsberg und Schnepfenbusch sollten noch bis 1955 arbeiten. Trotz finanzieller Zuschüsse konnte die Kurhessenhütte aber nicht mit den Weltmarktpreisen für Kupfer mithalten.

 Am 31. März 1955 um 14.15 Uhr wurde Schnepfenbusch geschlossen, und am 27. Oktober 1955 kam das endgültige Aus des Kupferschieferbergbaus im Richelsdorfer Gebirge mit der Stilllegung des Schachtes Wolfsberg. Die Entscheidung fiel in Bonn, und dort wurde auch beschlossen, die Anlagen auf dem Brodberg, Reichenberg, Schnepfenbusch und Wolfsberg abzubauen und zu verkaufen. Das Wahrzeichen des Kupferschieferbergbaus, der Förderturm auf dem Reichenberg und die längste Seilbahn Europas wurden abgebaut und als Schrott verkauft.

Viele Belegschaftsmitglieder gingen ins Ruhrgebiet, andere suchten sich Arbeit im Raum Eschwege und Bad Hersfeld. Umfangreiche Bemühungen erfolgten, um Ersatzindustrie in den noch vorhandenen Werkshallen unterzubringen, mit mehr oder weniger Erfolg.

Der Reichenberg verzeichnet seitdem eine wechselvolle Geschichte. Eine ganze Anzahl von Betrieben versuchte, in den Hallen etwas zu produzieren. Fast alle gaben nach einiger Zeit aus verschiedenen Gründen erfolglos auf. Erst seit einigen Jahren hat die Firma Lignotock eine Dauerproduktion eingerichtet.