Kurzer geschlichtlicher Abriss

Aus: Festschrift zum Jubiläum 800 Dens

 Eine Kopie des Hessischen Staatsarchivs in Marburg bestätigte, dass Dens erstmals 1195 unter dem Namen „Tense“ in einer Urkunde erwähnt wird. Der Papst Coletin der III. bestätigt darin dem Kloster Germerode den Beitz von Dens. Dens kann somit zu Recht 1995 sein 800 – jähriges Jubiläum der Ersterwähnung feiern. In der Ersterwähnung wird auch ein „Superior Tense“ Oberdens, genannt. Ob es sich damit um ein zweites Dorf oder den höher gelegenen Teil des Dorfes handelt, bleibt ungewiss. In einer nicht genau datierten Urkunde zwischen 1302 und 1312 wird Dens im Zusammenhang mit einer Güterschenkung an das Kloster Cornberg genannt. Im 14. Jahrhundert kam Dens als Besitz an den Landgrafen von Hessen; zeitweise war es an die Adligen von Berneburg und Baumbach verpfändet. Seit dem 15. Jahrhundert gehört Dens zum Amt Sontra.

Ab 1972 wurde Dens durch die Gebietsreform ein Ortsteil der Gemeinde Nentershausen. Über die Grenzen der näheren Umgebung hinaus nbekannt wurde Dens im November 1980 , als der damalige Bundespräsident Prof. Karl Carstens auf seiner Wanderung durch die damalige Bundesrepublik in Dens für eine halbe Stunde Station machte. Mit einem großen Gefolge, vor allem Sicherheitsbeamte traf er am See ein und wurde dort von den Landfrauen mit einem deftigen Frühstück versorgt.

Ein Gedenkstein an den Seeklippen erinnert an dieses für Dens bedeutende Ereignis.

Dens wird Ortsteil der Großgemeinde Nentershausen

Nach Abschluss des Schulverwaltungsgesetzes im Jahre 1969 erfolgt im Jahr 1971 in Hessen eine Verwaltungs- Gebietsreform mit dem Ziel, viele kleine Gemeinden zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit anzuregen und sich mit mehreren Nachbargemeinden zu einer Großgemeinde mit einer zentralen Verwaltung zusammenzuschließen. Schweren Herzens mussten auch wir uns von unserer über 100-jährigen Selbständigkeit trennen und wurden mit den Nachbargemeinde Nentershausen, Weißenhasel, Süß, Bauhaus und Mönchhosbach die Großgemeinde Nentershausen mit Verwaltungssitz in Nentershausen. Vom damaligen Bürgermeister H. Nölke und dem 1. Beigeordneten K. Ratz wurden die Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsverträge, wie sie damals genannt wurden, in der Tannenbergschule in Nentershausen unterschrieben. Mit dem Tag der Unterzeichnung gingen Schulden und Guthaben der alten Gemeinde in die Großgemeinde Nentershausen über.

Vorher hatten etliche Zusammenkünfte, Anhörungen und Verhandlungen stattgefunden. Geplant war, aus der Sicht der Stadt Sontra, eine Supergemeinde für das ganze Sontraer Land und Umfeld mit dem Verwaltungssitz in Sontra zu gründen. Dieses Ansinnen wurde aber von den Densern und den Nachbarorten abgelehnt. Auch ein Beitritt der Dörfer Blankenbach, Wölfterode, Ulfen und Solz zu Nentershausen scheiterte an deren Bereitschaft.

Bis zur nächsten Kreis- und Kommunalwahl im Oktober 1972 führten die derzeitigen Bürgermeister die nur noch gering anfallenden Verwaltungsgeschäfte weiter. Das bisher in Dens bestehende Gemeindeparlament

® 1 Bürgermeister (H. Nölke)

® 2 Beigeordnete  (Karl Ratz, Karl Kusian)

® 5 Gemeindevertreter (Hans Bick, Hans Franz, Karl Hollstein, Alfred Schade,

        Willi Schmidt

wurde in Ortsbeirat umbenannt und hat nur noch beratende Funktion für das neue Gemeindeparlament Nentershausen.

Als Vertreter des Ortsteiles Dens wurde Hans Bick in die neu gegründete Übergangsgemeindevertretung berufen, nach erfolgter Kommunalwahl im Okt. 1972 werden Heinz Gierschner und Hans Franz Gemeindevertreter und Karl Kusian Beigeordneter. In den Ortsbeirat werden die Einwohner H. Franz, K. Ratz, W. Schmidt, H. Gierschner und Willi Degenhardt berufen. Anstelle des früheren Bürgermeisters wird von den Ortsbeiratsmitgliedern der Vorsitzende gewählt mit der Bezeichnung „Ortsvorsteher“, der der Verbindungsmann und Ansprechpartner zur zentralen Verwaltungsstelle ist. Der Ortsvorsteher ist Ehrenbeamter, es werden ihm auch Verwaltungsaufgaben (kleines Dienstsiegel u. a.) übertragen. Karl Ratz wurde 1972 Ortsvorsteher und übte dieses Amt bis 1997 aus. Sein Nachfolger war Karl-Heinz Bürger bis 1999, und danach übernahm Reiner Hollstein das Amt.

Nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten, die solch ein großer Zusammenschluss zwangsläufig mit sich bringt, kann heute nach fast 30 Jahren gesagt werden, dass sich der Zusammenschluss aus Sicht der Gemeinde Dens unbedingt als richtig und nützlich erwiesen hat; alle im Grenzänderungs- und Auseinandersetzungvertrag aufgeführten Forderungen und Investitionen sind vollends von der Großgemeinde Nentershausen erfüllt worden.

Dorf im Wandel

Lange Zeit als sehr stark landwirtschaftlich orientiertes Dorf, vollzog sich ein Wandel. Neben der Tätigkeit in der Landwirtschaft beschäftigte auch der ab den 40er Jahren gut florierende Bergbau eine Vielzahl von Arbeitnehmern, was zur Folge hatte, dass sich die Einwohnerzahl veränderte.

1880 – 180 Einwohner                    1890 – 167 Einwohner                    1905 – 144 Einwohner

1937 – 195 Einwohner                    1938 – 218 Einwohner                    1948 – 301 Einwohner

1965 – 203 Einwohner                    1991 – 218 Einwohner                    1995 – 198 Einwohner

2001 – 170 Einwohner

Die Auflistung zeigt, dass vor allem nach dem 2. Weltkrieg die Einwohnerzahl ihren Höchststand hatte. Dies war auch mit die Folge der Aufnahme von Flüchtlinge und Evakuierten, deren Wohnungen in den Städten zerbombt waren. Durch allmählichen Wegzug der vom Krieg besonders Heimgesuchten pendelte sich die Einwohnerzahl auf zunächst ca. 200 ein. Das Ende des Kupferschieferbergbaus im Reichenbergschacht tat ein übriges dazu, da die Bergleute sich in andere Bergwerksreviere orientierten. Heute haben wir einen Stand wie etwa 1890 erreicht.

Leider – oder vielleicht auch Gott sei Dank – ist aus Dens nicht das geworden, was ein Chronist vor 60 Jahren schrieb: „...die günstige Lage des Sees, an dem die Autolinie Bebra-Nentershausen-Sontra vorbeiführt, bietet Kurgästen eine gute Reisegelegenheit. So sehen wir in Kürze unseren kleinen Ort in der Reihe der Kurorte Deutschlands – wenn auch in bescheidenem Maße – eingereiht.“ Eine heute utopisch klingende Auffassung.

Eine tiefgreifende Veränderung im dörflichen Leben brachte die Schulreform Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, ebenso die Gebietsreform 1971, die Dens zu einem Ortsteil von Nentershausen werden ließ. Es gab keinen Bürgermeister mehr, dafür einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher.

Damit nicht genug: in 1962 gab es noch 2 Lebensmittelläden, einer davon schloss schon bald, und der andere gab 1979 auf. In 1980 verlor Dens die Poststelle und in 1990 schloss die einzige Gaststätte des Ortes ihre Pforten. Von allen Einrichtungen, die ein Dorf prägen, blieb allein die Kirche und ein zum Teil reges Vereinsleben.

Die Aktivitäten der Feuerwehr wurden bereits angesprochen, der ehem. Turnverein „Jahn“ 1912 wurde 1963 wieder gegründet, nachdem er in den Kriegsjahren und auch danach geruht hatte. Er nennt sich jetzt TuS Dens 1912. Allerdings wird nicht mehr geturnt, sondern Tischtennis gespielt. Neuerdings hat sich eine Frauengymnastikgruppe gebildet (dazu an anderer Stelle mehr).

Ob mit den genannten Veränderungen der Wandel des Dorfes zum Stillstand gekommen ist, oder ob sich in naher Zukunft weitere Veränderungen ergeben – besonders im Bereich der Landwirtschaft mit all ihren Problemen – bleibt abzuwarten. Hoffentlich leidet das heute doch etwas beschauliche dörfliche Leben nicht unter dem was kommt. Auch wäre zu wünschen, dass im näheren Bereich Arbeitsplätze erhalten bzw. neu geschaffen würden, um vor allem der Jugend Anreize zu geben, auf dem Dorf zu leben.

Dazu gehört aber auch, dass Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. Eine Überalterung unserer dörflichen Idylle wäre ein Horrorbild.